Hawking, Higgs und über 3.000 andere Wissenschaftler unterstützen die Verhandlungen der UN zu einem Verbot von Atomwaffen

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Delegierte der meisten UN-Mitgliedsstaaten versammeln sich in New York, um ein Verbot von Atomwaffen zu verhandeln. Sie werden dort auch ein Unterstützungsschreiben erhalten, das von Tausenden Wissenschaftlern aus über 80 Ländern unterschrieben wurde – darunter 28 Nobelpreisträger und ein früherer US-Verteidigungsminister. „Wissenschaftler tragen eine besondere Verantwortung für Atomwaffen, da es auch Wissenschaftler waren, die sie erfanden und die entdeckten, dass ihre Effekte noch schrecklicher waren, als zunächst gedacht“, erklärt der Brief.

Der Brief wurde bei einer Zeremonie am Montag, dem 27. März 2017 um 13 Uhr, im Sitzungssaal der UN-Generalversammlung an Ihre Exzellenz Frau Elayne Whyte Gómez aus Costa Rica übergeben, die den Verhandlungen vorsitzt.

Trotz aller Aufmerksamkeit, die nuklearer Terrorismus und nuklear ausgerüstete Schurkenstaaten erfahren, waren Missgeschicke und Unfälle stets die größte von Atomwaffen ausgehende Gefahr zwischen den anerkannten Atommächten. Angesichts der steigenden politischen Spannungen und wachsender Instabilität steigt diese Gefahr bedrohlich an: „Ich glaube, die Wahrscheinlichkeit einer Atomkatastrophe ist heute höher als während des Kalten Krieges“, sagt der frühere US-Verteidigungsminister William J. Perry, der den Brief unterschrieben hat.

„Atomwaffen stellen eine der größten Gefahren für unsere Zivilisation dar. Angesichts der Unberechenbarkeit der aktuellen Lage der Welt ist es wichtiger denn je, Verhandlungen zu einem Verbot von Atomwaffen anzustoßen und wirklich weltweite Bemühungen dazu zu unternehmen“, sagt Edvard Moser, Professor der Neurowissenschaft aus Norwegen und Nobelpreisträger für Physiologie/Medizin des Jahres 2014.

Professor Wolfgang Ketterle vom MIT, Nobelpreisträger für Physik des Jahres 2001, stimmt dem zu: „Ich sehe Atomwaffen als eine echte Gefahr für die Menschheit und wir brauchen einen internationalen Konsens zur Verminderung dieser Gefahr.“

Derzeit verfügen die USA und Russland zusammen über ca. 14.000 Atomwaffen, viele davon in ständiger Alarmbereitschaft und innerhalb von Minuten abschussbereit, auch wenn ein Bericht des Pentagons darlegt, dass einige Hundert von ihnen für eine Sicherung der Abschreckungswirkung ausreichen würden. Doch statt ihre überschüssigen Arsenale abzubauen, planen die Supermächte massive Investitionen, um ihre Atomwaffen durch neue, destabilisierende Atomwaffen zu ersetzen, die einen Erstschlag noch tödlicher machen.

„Anders als viele der Führer der Welt sorge ich mich sehr um die Zukunft meiner Enkel. Selbst die entfernteste Möglichkeit eines Atomkrieges stellt eine unzumutbare Gefahr für ihr Wohlergehen dar. Wir müssen einen Weg finden, um Atomwaffen abzuschaffen”, sagt Sir Richard J. Roberts, Nobelpreisträger für Physiologie/Medizin des Jahres 1993.

„Die meisten Regierungen sind frustriert, dass eine kleine Gruppe von Ländern mit einem Bruchteil der Weltbevölkerung auf ihrem Recht besteht, das Leben auf der Erde durch Atomwaffen für alle anderen zu ruinieren und die im Atomwaffensperrvertrag vereinbarten Abrüstungsversprechen ignoriert“, sagt Physikprofessor Max Tegmark vom MIT, der bei der Organisation des Briefes geholfen hat. „In Südafrika gab die Minderheit, die das unethische Apartheidssystem kontrollierte, ihre Kontrolle nicht spontan aus eigenem Antrieb auf, sondern weil sie durch die Mehrheit dazu gedrängt wurde. In ähnlicher Weise wird die Minderheit, die die Kontrolle über die unethischen Atomwaffen besitzt, diese nicht spontan aus eigenem Antrieb aufgeben, sondern nur, wenn sie durch eine Mehrheit der Nationen und der Bürger dieser Welt dazu gedrängt wird.“

Der Gedanke hinter dem vorgeschlagenen Verbot ist, auf diese Weise Druck aufzubauen und Atomwaffen zu stigmatisieren.

Beatrice Fihn, die als Geschäftsführerin der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen die Bewegung zu ihrem Verbot mit in Gang setzte, erklärt, dass eine solche Stigmatisierung dem Verbot von Landminen und Streumunition zum Erfolg verholfen haben. Und dies kann wieder gelingen: „Der Markt für Landminen ist quasi tot – niemand will sie mehr produzieren, weil Länder sie verboten und stigmatisiert haben. Vor nur wenigen Jahren haben die USA – die den Landminen-Vertrag nie unterschrieben haben – erklärt, dass sie dem Vertrag im Grunde genommen nachkommen. Wenn die Welt zusammenkommt, um ein Verbot von Atomwaffen zu unterstützen, werden die Atommächte wahrscheinlich folgen, selbst wenn es nicht sofort geschieht.“

Susi Snyder vom niederländischen „Don’t Bank on the Bomb“-Projekt erklärt:

„Wenn die Produktion, der Besitz und die Benutzung dieser Waffen und die Beihilfe zu diesen Aktionen verboten wird, schaffen wir die Bedingungen dafür, dass auch die Finanzierung dieser Waffen verboten wird. Und das ist einer der Wege, auf denen der Verbotsvertrag einen direkten und konkreten Einfluss auf die ständige Aufrüstung der vorhandenen Atomarsenale haben wird, die größtenteils von privaten Unternehmen durchgeführt wird.“

„Atomwaffen sind die einzigen Massenvernichtungswaffen, die noch nicht durch eine internationale Konvention verboten sind, obwohl sie die zerstörerischsten und am wahllosesten wirkenden Waffen sind, die jemals geschaffen wurden“, stellt der Brief fest, der ein Verbot anregt.

„Der Horror, der in Hiroshima und Nagasaki geschehen ist, sollte niemals wiederholt werden. Atomwaffen sollten verboten werden“, sagt Martin Chalfie, Professor an der Columbia University und Chemienobelpreisträger des Jahres 2008.

Die norwegische Professorin der Neurowissenschaft May-Britt Moser, Nobelpreisträgerin für Physiologie/Medizin des Jahres 2014, erklärt: „In einer Welt mit steigenden Aggressionen und schwindender Diplomatie ist die Verfügbarkeit von Atomwaffen gefährlicher als jemals zuvor. Politiker werden dringend ersucht, Atomwaffen zu verbieten. Die heutige Welt und zukünftige Generationen hängen von dieser Entscheidung ab.“

Der offene Brief: https://futureoflife.org/nuclear-open-letter/